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Dr. med. Cornelia Goesmann

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Vortrag : Hundertjährige sucht Hausarzt
29.09.2012 16:16 ( 2964 x gelesen )

Hundertjährige sucht Hausarzt

Herausforderungen der ambulanten Versorgung in Zeiten des demografischen Wandels

Statement von Dr. med. Cornelia Goesmann, Vorsitzende der Ärztekammer

Niedersachsen, Bezirksstelle Hannover am 26.09.2012 im Neuen Rathaus Hannover


Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Seit 27 Jahren bin ich in Hannover, inzwischen mit zwei Kollegen, als Ärztin für

Allgemeinmedizin mit Zusatzbezeichnung Psychotherapie in einer typisch

hausärztlichen Praxis niedergelassen. Wir betreuen im Quartal zwischen 2.500 und

3.000 Patientinnen und Patienten, darunter rund 200 Patientinnen und Patienten, die

in Alten- und Pflegeheimen bzw. in ihrer eigenen Häuslichkeit hausbesuchspflichtig

geworden sind.

In diesen 27 Jahren hat sich ein deutlicher Wandel in unserem Patientenspektrum

dargestellt: Wir sehen eine dramatische Zunahme von alten und hochaltrigen

Patientinnen und Patienten mit verschiedensten chronischen Erkrankungen, d.h.

multimorbide Patientinnen und Patienten. Wir registrieren die ebenso deutliche

Zunahme der Notwendigkeit von Haus- und Heimbesuchen. Wir sehen eine

Abnahme der Arztzahlen, vor allem der Anzahl der Hausärztinnen und Hausärzte im

ländlichen, aber durchaus auch im großstädtischen Bereich. Dies wiederum führt zu

einer spürbaren Erhöhung der Patientenzahlen bei den verbleibenden Ärztinnen und

Ärzten in ihren Praxen, vor allem mit chronisch Kranken, Multimorbiden und

Pflegebedürftigen.

Wesentliche Aufgaben der Hausärztinnen und Hausärzte bei dieser sich

verändernden Patientenklientel sind vor allem: Mit den Alten und Hochaltrigen

gemeinsam Prioritäten bei ihren oft zahlreichen Erkrankungen und Therapien setzen,

die Medikamentenversorgung koordinieren, sichten und sortieren, eine Koordination

der Anliegen des Patienten und aller ihn Versorgenden incl. Pflegedienste schaffen

und insgesamt das Casemanagement für den alten Patienten realisieren.

Um in diesem Sinne die immer größer werdende Zahl alter und hochaltriger

Menschen auch bei einer abnehmenden Zahl von Hausärztinnen und Hausärzten

adäquat versorgen zu können, müssen in der Zukunft folgende Maßnahmen

getroffen und Projekte realisiert werden:

- Es gilt, Primärversorgungspraxen als Kooperation von Hausärzten mit allen

anderen beteiligten Berufsgruppen (Pflege, MFA, Physiotherapie,

Ergotherapie usw.) zu schaffen, diese in zentralen Orten anzusiedeln und für

sie Zweigpraxen in unterversorgten Regionen sowie wechselnde

Sprechstunden auch von Fachärzten in diesen Räumen zu realisieren.

- Zukünftig müssen Fachärztinnen und Fachärzte verschiedener patientennaher

Gebiete stundenweise Sprechstunden in dafür geschaffenen Räumen oder in

diesen Primärversorgungspraxen in wechselnden Regionen und zu

verschiedenen Sprechstundenzeiten abhalten.

- Es gilt, Transportsysteme für Patienten zu ihren Ärzten zu schaffen.

- Rollende Arztpraxen müssen in gänzlich unterversorgten Gebieten mit einem

Arzt an Bord Dörfer und Gemeinden aufsuchen.

- MONI (also das „Modell Niedersachsen“ zur Qualifizierung von in

Hausarztpraxen angestellten Medizinischen Fachangestellten) muss

landesweit ausgedehnt werden, auch auf Bereiche, die noch nicht

unterversorgte Gebiete sind. Diese qualifizierten MFA sollen Hausärztinnen

und Hausärzte bei ihrer Arbeit unterstützen, indem sie z.B. mit entsprechender

Qualifikation Hausbesuche fahren und Beratungstätigkeiten für ihre

Patientinnen und Patienten übernehmen.

- Die Kooperation von Hausärztinnen und Hausärzten mit ambulanter Pflege,

Physiotherapie, Sozialdienst, und z.B. Familienhebammen muss deutlich

verbessert und ausgeweitet werden.

- Es gilt darüber hinaus, telemedizinische Verfahren in die medizinische

Versorgung von Patientinnen und Patienten einzubeziehen.

1. Um genügend Hausärztinnen und Hausärzte für die Zukunft zu gewinnen,

müssen weiterhin alle Lehrstühle für das Fach Allgemeinmedizin an den

medizinischen Fakultäten so unterstützt werden, dass das Interesse der

Studierenden und ihre Kenntnisse über das Fach Allgemeinmedizin schon im

Studium geweckt und verbessert werden.

2. Die Förderung der Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin und eine

Niederlassung von Hausärztinnen und Hausärzten auch in unterversorgten

Regionen muss dringend unterstützt werden, hierzu gehört vor allem auch,

dass sämtliche Regresse für Ärztinnen und Ärzte abgeschafft werden.

3. Auch Geld spielt eine Rolle. Eine bessere Honorierung für Haus- und

Heimbesuche sowie das nötige Wegegeld gilt es zu schaffen.

4. Modelle zur kooperativen Heimversorgung von Hausärzten, Fachärzten und

stationärer Pflege sollten dringend gefördert und entsprechende

Modellversuche auch in Niedersachsen übernommen werden.

5. Auch im stationären Bereich gilt es, eine Unterstützung für alte und

hochaltrige Patientinnen und Patienten zu schaffen. So sollten diese nicht zu

früh entlassen werden, darüber hinaus wird empfohlen, Demenzbegleiter für

stationär untergebrachte demenziell erkrankte Patientinnen und Patienten zu

schulen und einzustellen.

6. Bei schwierigen Fragen der Patientenversorgung im hohen Alter (z.B. Legen

einer PEG, lebensverlängernde Maßnahmen, usw.) bietet die Ärztekammer

Niedersachsen, Bezirksstelle Hannover, eine Ethikberatung für alle

Betroffenen, auch für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sowie für

Patientenangehörige an.


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