Neue Perspektiven

Datum 02.01.2004 14:41 | Thema: DEFAULT

Neue Perspektiven -

Erfahrungen mit dem ersten Seminar gegen das Burn-out-Syndrom


Zahlreich sind die Belastungen, denen sich die Teilnehmer des ersten Burn-out-Seminars

Ende Oktober in Bad Pyrmont in ihrem Berufsalltag ausgesetzt sehen: Unsicherheiten

angesichts der zahlreichen Neuerungen, die das GKV-Gesundheitsmodernisierungsgesetz

mit sich bringen wird, Fallpauschalen, Praxisgebühr, Budgetierung, unzufriedene Patienten,

polemische Presseberichte über die Ärzteschaft, um nur einige zu nennen. 21 Teilnehmer

nutzen bei der ersten gemeinsamen Veranstaltung dieser Art von Ärztekammer

Niedersachsen (ÄKN) und der Psychosomatischen Fachklinik Bad Pyrmont die Gelegenheit,

sich über ihre berufsbedingte Erschöpfung auszutauschen und Strategien dagegen zu

entwickeln.

In der erholsamen Atmosphäre des ruhigen Kurstädtchens informierten sich die Ärztinnen

und Ärzte über Streß und Folgeerkrankungen, persönliche und gesundheitliche

Konsequenzen, die eine Überlastung im Berufsalltag mit sich bringt, sowie über Wege aus

dieser krank machenden Situation. Neben Theorie und Hintergrundwissen stand dabei das

intensive Gespräch in Gruppen im Vordergrund. In ihnen konnten die Teilnehmer die eigene

Lebens- und Arbeitssituation (mit-)teilen, reflektieren und gemeinsam mit den anderen

Lösungsstrategien für sich erarbeiten. Übungen zu Entspannungstechniken oder den

Umgang mit schwierigen Patienten vervollständigten das Angebot.

Streßbilanz ziehen

Im ersten Themenblock, der von leitenden Mitarbeitern der Psychosomatischen Fachklinik

Bad Pyrmont moderiert wurde, zog jeder Teilnehmer seine persönliche Streßbilanz .

Dabei wurde deutlich, daß nicht nur äußere Umstände und die vermeintlichen Erwartungen

anderer zur extremen Belastung werden können, sondern auch die eigenen Ansprüche:

Viele Ärztinnen und Ärzte setzen sich selbst unter starken Erfolgsdruck. Die Gruppe stellte

eine Liste mit Techniken zur Bewältigung von lang- und kurzfristiger starker beruflicher

Belastung zusammen. Umfangreiche Fragebögen boten zudem Material zur Reflektion des

eigenen Gesundheitsverhaltens, kritische Probleme wie etwa Suchtverhalten, wurden darin

ebenfalls angesprochen.

Problemlösung ist lernbar

Keine Entlastung ohne Entspannung, gleich zweimal hatten die Teilnehmer des Seminars

deshalb Gelegenheit zum praktischen Üben: die progressive Muskelentspannung nach

Jacobson und die imaginative Tiefenentspannung. Außerdem lernten sie das

verhaltenstherapeutische Problemlöseschema kennen - eine Handlungsanleitung, mit der

anhand verschiedener aufeinander aufbauender Arbeitsschritte Problemlösungen und ihre

Umsetzung erarbeitet werden.

Die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen für die Arbeitszufriedenheit spielen eine

große, derzeit aber wenig erfreuliche Rolle. Das war allen Teilnehmern bewußt, wie die rege

Diskussion darüber in einem weiteren Themenblock zeigte. Auch wenn dies die

Rahmenbedingungen nicht ändert:

Die brenzlige Lage anzusprechen und die eigene Situation mit anderen zu teilen, brachte

spürbar Erleichterung. "An diesem Wochenende habe ich tatsächlich gelernt, viele Dinge

einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten", sagte eine Teilnehmerin.

Weitere Informationen zur Burn-out-Prävention unter www.fkbp.de im Internet.

Dr. med. Cornelia Goesmann

Stellvertretende Präsidentin der

Ärztekammer Niedersachsen

Prof. Dr. Meermann

Chefarzt der Psychosomatischen Fachklinik

Bad Pyrmont





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